Geschwister streiten ständig - was Eltern aus biblischer Sicht tun können
Wer mindestens zwei Kinder hat, kennt es mit Sicherheit, dass urplötzlich mitten im Spiel Streit aufkommt - einer schreit, einer weint oder (wie bei meinen zwei großen Jungs) sie "prügeln" sich sogar... Auf Nachfrage heißt es, dass einer dem andern ein Auto weggenommen hat oder ähnliches.
Bei uns finden solche Streitereien manchmal mehrfach am Tag statt und rauben mir viele Nerven. Daher denke ich, dass es hilfreich ist, wenn meine Kinder auch verstehen, warum und wie man lernen kann, solche Konflikte besser zu lösen. Ich hoffe, dass der Streit im Kinderzimmer dann allmählich dauerhaft reduziert werden kann. Dazu habe ich mich selbst einmal mit dem Streitthema auseinandergesetzt und die Bibel zu Rate gezogen.
Die Ursachen verstehen: Warum streiten Geschwister überhaupt?
Ein Blick in die Bibel verrät: Geschwisterstreit gibt es schon seit Anbeginn der Menschheit. Drei sehr bekannte Geschichten aus dem alten Testament sind:
- Kain und Abel. Der ältere Bruder Kain ist auf den jüngeren Abel neidisch, weil Gott sein Opfer annimmt, seines aber nicht. Seine Wut wird darüber so stark, dass Kain Abel schließlich tötet. Durch diese Geschichte erfahren wir, wie unkontrollierte Emotionen in Eifersucht und Hass münden können und welche Gefahren dahinter stehen.
- Jakob und Esau, die Zwillingssöhne von Isaak und Rebekka. Sie konkurrieren bereits im Mutterleib gegeneinander. Später betrügt Jakob seinen Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht und muss sogar aus Angst um sein Leben einige Jahre zu seinem Onkel fliehen. Den Zwillingen gelingt es allerdings über die Jahre hinweg die Verletzungen zu überwinden und sich letztlich zu versöhnen.
- Josef, einer der jüngsten Sohne Jakobs. Er wird von seinem Vater besonders bevorzugt. Die Brüder entwickeln Neid und verkaufen Josef sogar als Sklaven nach Ägypten.
Durch diese Geschichten erfahren wir, welche Quellen zu Streit führen: Neid, Egoismus, Gier, Bevorzugung seines der Eltern. Werden diese Emotionen unkontrolliert zugelassen, können sie in Eifersucht, Hass und Schlimmeres münden.
Die gleichen Streitquellen werden auch im Neuen Testament in Jakobus 4, 1-3 zusammen gefasst:
"Woher kommt der Kampf unter euch, woher der Streit? Kommt's nicht daher, dass in euren Gliedern die Gelüste gegeneinander streiten? Ihr seid begierig und erlangt's nicht; ihr mordet und neidet und gewinnt nichts; ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nichts bittet; ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich, damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt."
Aus meiner eigenen alltäglichen Beobachtung meiner Kinder heraus, möchte ich noch eine Ursache hinzufügen: mangelnde Kommunikation. Mir ist schon oft aufgefallen, dass die Emotionen schneller sind als überlegtes Handeln. Und anstatt sachlich und ruhig zu fragen oder eigene Gefühle zu äußern, wird schnell reagiert (Spielzeug einfach wegnehmen, schreien,..). Das ist aber etwas, das Kinder erst lernen müssen.
Strategien, die Eltern im Umgang mit Streit helfen können
Gott hat uns unsere Kinder mit dem herausfordernden Auftrag gegeben, sie gottgefällig zu erziehen und nach Gottes Vorbild zu lehren. Kinder müssen ihre Fähigkeiten erst noch entfalten und üben, so auch den Umgang mit Situationen, die Neid oder Wut erzeugen können. Dabei können 4 Prinzipien als Grundlage gesehen werden.
Prävention durch gelungene Kommunikation
Gemäß Sprüche 17,14 ist es am sinnvollsten, Streit überhaupt erst zu vermeiden.
"Wer Streit anfängt, gleicht dem, der dem Wasser den Damm aufreißt. Lass ab vom Streit, ehe er losbricht!"
Ein Streit kann schnell entbrennen, wenn ein Kind seinen Emotionen Raum lässt, wütend wird und das andere reagiert. Wir können unsere Kinder lehren: "Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm" (Sprüche 15,1) . Das ist für Kinder natürlich noch schwierig. Wir müssen mit ihnen erst üben, über ihre Gedanken und Gefühle zu sprechen. Dazu ist es wichtig, zuhause eine Umgebung zu schaffen, in der offen gesprochen werden kann, ohne das Gesagte gleich zu bewerten oder zu verurteilen. Ehrliche und respektvolle Kommunikation fördert das Verständnis untereinander. Und es ermöglicht, dass Kinder während des Spiels Lösungen finden können, wenn Uneinigkeiten auftreten. Mit viel Übung werden sie in der Lage sein Probleme direkt und diskret (vgl. Matthäus 18,15) miteinander zu lösen.
Ihr seid dabei als Eltern das größte Vorbild für eine gute Streitkultur!
Gerechtigkeit
Die Geschichte von Josef zeigt, wie Eltern es NICHT machen sollten. Vergleiche, wer etwas besser kann oder Bevorzugung kann schnell zu Neid und Wut gegeneinander führen. Prüfe als Mama oder Papa, ob du dies unbewusst tust! Achte darauf, die Stärken jedes Kindes regelmäßig anzuerkennen. Betone und erkläre, dass jeder besondere Fähigkeiten hat und wir uns alle ergänzen. Jeder trägt mit seinen Stärken optimal zur Funktion der ganzen Familie bei, ähnlich wie die Glieder eines Leibes nur zusammen perfekt arbeiten (1. Korinther 12, 14-26).
Kultur der Vergebung
Ein Streit hört nicht automatisch auf, wenn das Geschrei aufhört. Wut kann unterdrückt noch weiter arbeiten. Epheser 4,32 fordert uns dazu auf, zu vergeben und so wieder reinen und fröhlichen Herzens beieinander zu sein: "Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." Leitet eure Kinder im Vergebungsprozess an und seid dabei auch selbst Vorbild für Vergebung! Behaltet dabei auch im Hinterkopf, einen Streit vor dem Schlafen gehen gelöst zu haben: "Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen" (Epheser 4,26). Erstens schläft dann jeder besser, und zweitens können dann alle den neuen Tag viel entspannter beginnen.
Stärkung der Bindung
Unternehmt regelmäßig gemeinsame Aktivitäten und schafft schöne Erlebnisse, um die Bindungen in der Familie zu stärken. Eine starke Bindung schafft Vertrauen und stärkt den Zusammenhalt. Das sind wichtige Grundlagen, um über Gefühle offen zu sprechen. Ergänzend könnt ihr mit- und füreinander beten. Zeigt den Kindern, wie sie sich einander Gutes wünschen können. So lernen sie, ihr Herz nicht nur auf die eigenen Wünsche zu lenken (Stichwort Gier), sondern auch auf ihre Nächsten.
Was ich gelernt habe
Die Bibel bietet wertvolle Einsichten in den Umgang mit Geschwisterstreit. Durch die Geschichten von Kain und Abel, Jakob und Esau sowie Josef lernen wir, wie wichtig es ist, Eifersucht zu vermeiden, offen zu kommunizieren und zu vergeben.
Indem wir diese Lehren in unseren Alltag integrieren, können wir dazu beitragen, stärkere und harmonischere Familienbindungen zu schaffen. Dies geschieht nicht über Nacht, sondern ist ein länger währender Prozess, den auch ich noch üben muss. Versuchen wir Geschwisterstreit also nicht nur als Last zu sehen, sondern als Übung für unsere Kinder, bei der sie Vergebung, Geduld und Nächstenliebe lernen können. Und wie bei allem in unserem Leben, können wir auch hier Gott um Hilfe bitten - Hilfe, um Emotionen besser zu kontrollieren, Hilfe, um Wünsche besser auszudrücken, Hilfe, um zu vergeben.
Seid gesegnet!

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