Vergebung fällt dir schwer? Warum sie für Gott und dein Familienleben trotzdem wichtig ist und wie du sie umsetzt

Vergebung nach der Bibel


Es war Pfingsten. Die Zeit, in der sich Christen daran erinnern, dass der HERR uns nach seiner Auffahrt zum Himmel den Heiligen Geist geschickt hat. Dieser soll uns bis heute eine besondere Hilfestellung bieten, wenn es darum geht, in Gemeinschaft mit Gott zu treten, seinen Willen zu tun oder unsere Sünden zu erkennen.

Im Zusammenhang mit unserer sündhaften Natur stellt Gott eine zentrale Forderung an uns: Wir sollen einander vergeben.

"Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus." (Epheser 4,32)

Wie wichtig das Üben einer Vergebungskultur ist, um Streitigkeiten nachhaltig zu beenden, habe ich HIER schon einmal beschrieben

Doch was bedeutet Vergebung eigentlich genau? Und wie setzt man sie im Alltag um?


Was ist Vergebung laut der Bibel?


Die Bibel lehrt uns, dass wir einander vergeben sollen, weil Gott uns zuerst vergeben hat. 

"Ertragt einander und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den anderen; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!" (Kolosser 3,13)

Wenn wir sündhaftes Verhalten an uns erkannt haben, können wir im Gebet um seine Vergebung bitten. Er wird wissen, ob wir ernsthaft bereuen und einen anderen Weg einschlagen wollen - und Vergebung gewähren.

Gottes Vergebung befreit uns:

Wir können unseren Blick nach vorn richten und müssen nicht in der Vergangenheit leben.

Wir können uns neu ausrichten und auf das konzentrieren, das Gott für uns bereit hält. 

Vergangene Fehler lassen sich nicht ändern, doch Gott nutzt jede Erfahrung, um unseren Charakter nach Jesus Christus zu formen.


Vergebung nach Gottes Maßstab


Wenn wir anderen Menschen vergeben, können wir die Vergebung, die Gott uns gewährt, als Vorbild nehmen. Das Geschehene kann nicht zurück genommen werden. Aber wir können uns bereit erklären, einen Strich unter den Abschnitt zu setzen und positiv in die Zukunft zu schauen, ohne das sündhafte Verhalten des anderen immer wieder neu zu verurteilen oder wütend oder traurig darüber zu sein. Vergebung ist nicht einfach und erfordert Mut. 

Vergebung heißt nicht, dass du das Erlebte komplett aus dem Gedächtnis streichst und alles wieder ganz toll ist. Oder dass es auf einmal völlig ok ist, wenn z.B. dein Partner dir grundlos etwas vorgeworfen hat. Das Entscheidende ist, wie zukünftig mit dem Erlebten umgegangen wird. Wenn du vergibst, dann denkst du nicht mehr daran, dass Geschehene zu vergelten.


Warum ist Vergebung in der Familie anders?


Besonders in der Familie bestehen enge Vertrauensverhältnisse. Familienmitglieder kennen ihre Stärken und Schwächen, wissen um Vorlieben und Abneigungen, sie sind emotional verbunden. Wenn uns dann jemand verletzt – sei es der Partner oder das eigene Kind –, schaltet unser Herz oft auf Abwehr. Wir schmollen, ziehen uns zurück oder zahlen es mit gleicher Münze heim. 

Doch unausgesprochener Groll ist wie Gift für das Familienklima. Er trennt uns voneinander.
Gott zeigt uns mit seiner Aufforderung den Ausweg aus dieser Situation. Vergebung ist kein Gefühl, das uns plötzlich überkommt. Vergebung ist eine bewusste Entscheidung. 

Im Familienalltag, da wo wir uns nicht einfach so aus dem Weg gehen können, fällt das nicht immer leicht. Trotzdem fordert uns Jesus in Matthäus 18 sogar zu einer radikalen Vergebung auf:
„Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal? Jesus antwortete ihm: Ich sage dir: Nicht bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.“ (Matthäus 18,21-22)

„Siebzigmal siebenmal“ steht symbolisch für ein unendliches, immer währendes Vergeben.

Wir können Vergebung entsprechend auch aus einer anderen Perspektive betrachten: In der Familie erhalten wir immer wieder die Möglichkeit Vergebung zu üben und lernen bedingungslose Liebe zu leben. Vergebung hilft dabei, als Familie zu wachsen und Zusammenhalt zu finden, ohne ständig alte Fehler nachzutragen.

Gott rechnet uns unsere Fehler auch nicht ewig vor. Er gibt uns immer wieder die Möglichkeit, neu zu beginnen. Wenn wir das begreifen, fällt es uns leichter, auch dem Partner oder den Kindern Fehler nachzusehen. Wir vergeben nicht, weil der andere es verdient hat, sondern weil wir selbst so viel Vergebung erfahren haben.

Praktische Schritte der Vergebung


Vergebung ist ein Prozess, den du für dich und auch mit deinen Kindern immer wieder üben kannst. Du kannst deinen Kindern diesen Prozess anhand dieser Schritte nahe bringen:

  1. Den Schmerz anerkennen: Verdrängung hilft nicht. Schau dir die Wunde an und erlaube dir, traurig oder wütend zu sein. Sagt klar, was wehgetan hat, ohne den anderen zu beschimpfen (z. B. „Ich war traurig, als du mein Spielzeug kaputtgemacht hast“).
  2. Um Entschuldigung bitten: Ein ehrliches „Es tut mir leid, bitte vergib mir“ bricht den Stolz. Eltern sollten hierbei Vorbild sein und sich auch bei ihren Kindern entschuldigen.
  3. Eine Entscheidung treffen: Vergebung ist kein Gefühl, sondern ein Willensakt. Du entscheidest dich aktiv dafür, die Last nicht mehr zu tragen. Dabei kann es helfen, mit den anderen zu sprechen und den Grund für das verletzende Verhalten herauszufinden. Manchmal lag es nur an Stress oder Schlafmangel, der unbewusst abgeladen wurde.
  4. Freigeben: Lass den Groll bewusst los. Jedes Mal, wenn die Wut neu hochkocht, erinnerst du dich an deine Entscheidung: "Ich habe vergeben." Wer vergibt, verspricht damit: „Ich trage dir diesen Fehler nicht mehr nach. Wir fangen neu an.“

Denk immer daran: du bist nicht allein


Zugegeben, auch mir fällt Vergebung nicht immer leicht, doch grade für unsere Kinder ist es wichtig, ein gutes Vorbild zu sein. Das muss nicht heißen, selbst perfekt zu sein, sondern den Kindern zu zeigen, wie auch wir noch dazulernen.
Vergebung ist ein Prozess und braucht oft Zeit. Aber sie ist der einzige Weg, um belastenden Groll aus der Vergangenheit loszuwerden. Vergebung zu üben heißt auch, eigenen Frieden zu finden.
Gott schaut nicht auf unsere Fehler, um uns zu verurteilen, sondern er begegnet uns mit offenem Herzen. Wenn wir die Tiefe von Gottes Gnade für unser eigenes Leben begreifen, verändert das unseren Blick auf unsere Mitmenschen. Vergebung ist kein Geschenk an den Täter. Es ist ein Geschenk Gottes an dich, damit du nicht an deiner Bitterkeit zerbrichst. Sie macht dich frei, wieder zu lieben und unbeschwert vorwärtszugehen.
Zum Glück müssen wir nicht komplett aus eigener Kraft vergeben, sondern können Gott immer um Hilfe bitten.

Ich bete dafür, dass es auch dir und deiner Familie gelingt, immer öfter zu vergeben und so eine unbeschwerte Atmosphäre zu Hause zu erhalten!

Seid gesegnet!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Geschwister streiten ständig - was Eltern aus biblischer Sicht tun können

Kinder: Eine Last oder Gottes Segen? Warum (viele) Kinder uns biologisch und geistlich reich machen

Gott hat den Plan...Gedanken zu den Bibelversen aus Psalm 37,5 und 37,7