Die Geschichte von Rut: Was wir als Mütter für unser (Familien-)leben mitnehmen können

Getreidefeld


Seit einiger Zeit ging mir immer wieder der Name Rut durch den Kopf. Ich wusste, dass diese Frau Teil einer Geschichte in der Bibel ist und hatte es auch schon gelesen. Das hab ich schließlich als Hinweis von Gott gesehen, mich einmal eingehend mit diesem Buch der Bibel zu beschäftigen.

Dazu habe ich natürlich nochmals die Geschichte in der Bibel gelesen sowie Videos und Material zum Bibelstudium angesehen. Das hat mir geholfen, Einsichten darüber zu gewinnen, was ich aus dem Buch Rut für meinen Alltag als Mutter und für unsere Familie mitnehmen kann.

Nachfolgend möchte ich meine Erkenntnisse teilen.

Die Geschichte von Rut

Wer möchte kann das Buch Rut in aller Ruhe in der Bibel nachlesen. Ich möchte das ganze hier zusammenfassen und um Hintergrundinformationen ergänzen.

Die Geschehnisse ereignen sich während der Richterzeit. Dies war eine Zeit, in der die meisten weniger Gottes Weisungen folgten, sondern ihren eigenen Rechtsauffassungen. Entsprechend waren Juda und umliegende Länder stark geprägt von sündhaftem Verhalten und Götzenanbetung. Auch Gottes Versorgung für sein Volk war nicht mehr gesichert, es kam zu einer Hungersnot. 

Elimelech aus Bethlehem in Juda entschied sich dazu, mit seiner Frau Noomi und den beiden Söhnen auszuwandern und kam nach Moab. Interessanterweise bedeutet sein Name "Mein Gott ist König", allerdings scheint es, als ob er nicht danach handelt. Nach einiger Zeit starb Elimelech und die Söhne heirateten entgegen Gottes Gesetzen Moabiterinnen. Gott hatte eigentlich die Einheiratung dieses Volkes verboten, da sie ihre bewusste sündhafte Lebensweise nicht in sein Volk einbringen sollten. Zudem hatte sich das moabitische Volk geweigert, den Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten mit Nahrung zu unterstützen und verfluchten sie vielmehr noch (Vgl. 5.Mose 23,4).

Nach einiger Zeit starben auch die Söhne und Noomi beschloss nach etwa 10 Jahren in Moab in ihr Heimatland zurück zu kehren. Während der Reise drängte sie ihre Schwiegertöchter, zum eigenen Elternhaus zurück zu gehen und neue Männer zu finden, mit denen sie eine Familie gründen könnten.

Orpa gab schließlich nach und entschied sich damit, den Lebensstil der Moabiter fortzuführen.

Rut hingegen erklärte mit ihrer berühmten Ansprache, dass sie einen neuen Lebensweg einschlagen wird: 

"Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden." (Rut 1, 16-17) 

Als sie in Juda ankommen ist grade der Beginn er Getreideernte. Da die Frauen als Witwen und damit mittellos ankommen, geht Rut auf die Felder, um Ähren zu sammeln. Gott hatte den Isrealiten ein Gebot erteilt, dass dafür sorgte, dass auch die ärmsten Einwohner Nahrung erhalten. So sollten bei der Ernte die Ähren nicht peinlich genau aufgehoben, sondern nur grob genommen und gebunden werden, sodass Reste zum Aufsammeln übrig bleiben (3.Mose 19, 9-10).

Gott führt es so, dass Rut auf das Feld des Boas kommt, der ein Verwandter von Elimelech ist. Sie zeigt sich als tüchtige Arbeiterin und als Boas sie sieht und Auskunft von seinem Knecht verlangt, berichtet dieser davon, was Rut alles für Noomi getan hat. 

Dadurch wird Boas sehr gnädig gestimmt und behandelt sie trotz ihrer Herkunft äußerst wohlwollend und gnädig. Später berichtet Rut ihrer Schwiegermutter, auf wessen Feld sie Ähren sammelt. Noomi erklärt ihr, dass Boas ein Löser der Familie ist.

Gott hat das Verfahren der Lösung eingerichtet, um für früh verwitwete Frauen die Versorgung sicherzustellen sowie die Weiterführung der familiären Blutlinie (5. Mose 25, 5-10).

Zum Ende der Getreideernte trägt sie Rut daher auf, Boas Heiratsabsichten kundzutun, um ihre Versorgung weiterhin zu sichern. Dem geht sie nach. Boas möchte dem auch entgegen kommen, aber zunächst, wie es Gottes Vorschriften verlangen, einen noch näher Verwandten die Möglichkeit zur Lösung lassen. Als dieser ablehnt, kann Boas Rut letztlich heiraten.

Damit begründen sie den Stammbaum von Jesus. Denn Rut und Boas sind Eltern von Obed, dem Großvater vom späteren König David. Sie sind Teil der Ahnenreihe von Jesus.

Was wir von Ruts Geschichte für unseren Alltag als Mütter und in der Familie mitnehmen können

Zunächst wird im Buch Rut deutlich, dass Gott grundsätzlich gute Absichten für die Menschen und sein Volk hat. Jeder, der sich wie Rut zu Gott bekennt und von seinem bisherigen gottlosen Leben lossagt, wird mit offenen Armen empfangen und reich belohnt. Gleiches gilt für die, die wie Noomi nach Wahl des falschen Weges umkehren und wieder zu Gott "heim kehren".

Ich möchte nun jedoch 4 Aspekte beschreiben, die aus der Geschichte vor allem für Mütter und das Familienleben von Bedeutung sein können. Sie bauen im Grunde alle darauf auf, sich zu Gott bekannt  zu haben.

Loyalität/ Treue

Als Rut beschließt, Noomi nach Juda zu begleiten, zeigt sie ihr gegenüber Loyalität und treue Ergebenheit. Dazu gehört auch ihre Arbeit auf dem Feld, um beide mit Nahrung zu versorgen. Sie erklärt eine familiäre Verbundenheit bis zum Tod, die eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Zugleich ist Rut offenbar bereit, Lehre von Noomi hinsichtlich göttlicher Gebote anzunehmen und umzusetzen. Somit zeigt sie auch Loyalität gegenüber Gott, den sie als ihren Gott statt der bisher verehrten Götzen annehmen möchte.

Rut zeigt auch Loyalität gegenüber Boas bereits bei ihrer Arbeit auf dem Feld. Denn sie folgt seinen Anweisungen, bleibt nur auf seinem Feld und nimmt seine Schutzgesten an. Auch lobt Boas ihre Zurückhaltung gegenüber anderen (jüngeren) Männern.

Anwendung für mich als Mutter und in der Familie:

Ich halte Loyalität und Treue für Grundpfeiler enger familiärer Bindungen. Das fängt bei der Beziehung zum Partner an und zeigt sich zum Beispiel in alltäglicher Unterstützung, der Annahme der jeweiligen von Gott vorgesehenen Rollen oder tatsächlicher körperlicher Treue. Auch gehört dazu über Familienmitglieder vor anderen respektvoll und wohlwollend zu sprechen.

Kinder profitieren von treuem Zusammenhalt in der Familie, es gibt Sicherheit und Orientierung. 

Loyalität und Treue zu Gott wiederum heißt, seine Gebote gern zu befolgen. Aus diesen ergeben sich Prinzipien für ein erfolgreiches Zusammenleben in der Familie fast automatisch. 

Gottvertrauen (Umgang mit Krisen)

Auf Gottes Einwirken und seinen Plan für uns zu vertrauen erfordert Mut. Rut beschließt mitten in einer Krisensituation genau das zu tun. Sie steht mit leeren Händen da. Es besteht sogar das Risiko als Moabiterin von Noomis Volk abgelehnt oder gar vertrieben zu werden. Doch sie geht den Weg mutig mit Noomi weiter und fängt völlig neu an. 

Auch als es noch unsicher ist, ob ein anderer Verwandter Rut lösen wird, wartet sie geduldig und ist scheinbar bereit jeden Weg anzunehmen, den Gott ihr eröffnet. Auch Boas zeigt mit seinem Vorgehen das gleiche Gottvertrauen und könnte Rut damit ein gutes Vorbild im Glauben während einer Ehe und als Führer der Familie sein.

Letztlich bekommt Rut sogar nach 10 Jahren Unfruchtbarkeit schließlich ein Kind, was ein besonderer Segen von Gott ist, und zwar für die ganze Familie und sogar Generationen.

Anwendung für mich als Mutter und in der Familie:

Das Leben läuft oft nicht nach den eigenen Plänen ab und es kann auch bei uns jederzeit Krisen geben. Das müssen keine großen Lebenskrisen sein, auch anstrengende Tage mit kleinen Kindern können sich zuweilen krisenhaft anfühlen. Mutig wie Rut zu sein und auf Gott zu vertrauen, bei ihm um Stärke und Hilfe oder Geduld zu bitten, kann uns viel Last abnehmen. Auch zeigt die Geschichte von Rut, dass wir oft besonders gesegnet werden, wenn wir auf die Pläne Gottes vertrauen. 

Durch gemeinsame Gebete können wir Kindern auch schon zeigen, dass wir nie alleine sind, und immer auf Gott vertrauen können.

Tüchtigkeit

Rut arbeitet von morgens an fleißig auf dem Feld- mit Sicherheit keine leichte Arbeit. Sie beschwert sich dabei nicht. Doch ihr Fleiß wird belohnt. Gott segnet die, die ihm zu ehren tüchtig sind und für ihre Familie liebend sorgen. Auch Boas, der charakterlich sehr an Gott erinnert, ist ein wohlhabender, bei seinen Knechten beliebter Mann. Seinen Reichtum hat er wahrscheinlich durch harte, gottgefällige Arbeit erreicht.

Was das für uns heißt:

Wenn wir unsere täglichen Aufgaben verrichten, sollten wir dies ebenso tatkräftig und Gott zu Ehren tun. Er wird unsere Mühen erkennen und uns reich segnen. Wie ich hier bereits beschrieben habe, werden wir im Alltag außerdem viel mehr Freude haben, wenn wir lernen, tägliche Aufgaben mit Freude für Gott zu tun. 

Gastfreundlichkeit/ Vorurteilsfreiheit

Rut ist Moabiterin. Dies war ein Volk, vor dem die Israeliten von Gott sogar explizit gewarnt wurden.

"Die Ammoniter und Moabiter sollen nicht in die Gemeinde des HERRN kommen, auch nicht ihre Nachkommen bis ins zehnte Glied; sie sollen nie hineinkommen, weil sie euch nicht entgegenkamen mit Brot und Wasser auf dem Wege, als ihr aus Ägypten zogt, vielmehr gegen euch den Bileam dingten, den Sohn Beors aus Petor in Mesopotamien, dass er dich verfluchen sollte." (5. Mose 23,4-5)

Ruts Entscheidungen zeigen aber, dass es Ausnahmen hinsichtlich typischer Charaktere der Nationalitäten gibt. Sie überzeugte Boas und andere in der Heimat Noomis durch ihr Handeln.

Und wir?

Wir können das für uns so übernehmen, dass wir Menschen auch nicht nach ihrer Herkunft beurteilen, sondern nach ihrem jeweiligen Wirken. 

Kinder erfahren von kleinauf, wenn Erwachsene allgemein schlecht über eine Volksgruppe reden und Vorurteile bilden. Doch wir wissen nicht, wen Gott nutzen wird, um in unserem Leben seinen Plan umzusetzen. Wenn wir für seinen Plan offen sein wollen, sollten wir auch jedem anderen Menschen mit offenem Herzen begegnen und ihn nach seinen Werken und nach seinem Herzen beurteilen.

Das fängt schon im Kleinen an, wenn wir die Freunde unserer Kinder gastfreundlich empfangen. Oder wenn wir zum Beispiel in der Stadt unterwegs sind und von Fremden etwas gefragt werden und freundlich antworten.

Abschließende Gedanken

Im Buch Rut geht es um mehr als eine Liebesgeschichte. Es zeigt gleich zu Beginn wie Abkehr von Gott verstärkt dazu führen kann, dass wir von ihm nicht mehr gesegnet und versorgt und beschützt sind. Es zeigt uns aber auch auf, wie Vertrauen in Gott zu einem großen Segen werden kann und wie Gott aus schlechten Umständen heraus etwas Gutes entstehen lässt.

Das Buch Rut zeigt uns auch, welche Sicherheit und welche Segnungen ein Leben nach Gottes Entwurf für die Familie bringt. Das heißt nicht, dass es leicht ist. Es erfordert Mut und Stärke. Doch wir können Gott um genau diese Dinge bitten.

Es heißt auch nicht, dass immer alles perfekt läuft. Aber mit Gott können wir die größten Krisen überstehen und die Verbindung in der Familie kann sogar stärker gefestigt werden.

Fühle dich gern eingeladen, das Buch Rut ausführlich selbst zu lesen und zu studieren. Vielleicht erkennst du daraus noch viel mehr Botschaften, die Gott dir mitteilen möchte. Denn wie erwähnt, habe ich nur wenige Aspekte beschrieben.

Seid gesegnet!


Quellen: 

- Lutherbibel in revidierter Fassung von 1984

- Bibelkommentar von https://www.bibelkommentare.de/kommentare/k-2987/das-buch-ruth/kapitel-1 (abgerufen im Juli 2026)

- Videobibelstudie von kaci nicole

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